EuroSpeedway Lausitz
Bei seinem erst zweiten Doppelstart in der F3-Euroseries fuhr Christopher Zanella erstmals in die Top Ten.
Der Dallara-Mercedes-Pilot des Motopark-Teams platzierte sich auf dem Eurospeedway Lausitz im 29 Wagenfeld im Sonntagrennen auf dem achten Platz.
Rangliste Rennen 1
Rangliste Rennen 2
Mittlerweile hat sich der amtierende Schweizer Rennwagenmeister in der auf dem Weg in die F1 wichtigsten Rennwagenserie richtig etabliert.
Bereits bei den freien Testfahrten am Freitag fuhr der Polytechnikauszubildende nonchalant auf der für ihn neuen F3-Strecke auf den zehnten Platz vor.
Im offiziellen freien Training wurde er auf Platz 16 gewertet.Das Ranking erwies sich dabei als fragwürdig, da die komplette „Wilde Reiter GmbH“ unerlaubte Abkürzungen gefahren war und die Rennleitung das Training unterbrach und die gesamte Nachwuchsklasse zur gemeinsamen Standpauke an die Boxen beorderte.
Auf der aus Teilstücken eines Vollgasovals sowie einer fast Go-Kartbahn ähnlichen inneren Kurvenkombination zusammen gesetzten Strecke fuhr Zanella im Qualifikationstraining auf den 24. Startplatz – weit unter Wert.
Auf zu Beginn nasser und dann abtrocknender Piste war er bis kurz vor Schachbrettflagge in den ersten Zehn gelegen, als er bei „Maximaler Attacke“ über einen noch tückisch feuchten Kerbs räuberte und ihn ein darauffolgender Ausrutscher ins Off zwang.
Die immer besseren Zeiten der Konkurrenten konnte er mit zunächst abgestorbenem Motor nicht mehr kontern.
Ähnlich herb gestalteten sich die Wetter- und Streckenbedingungen bei den beiden Rennen.
Im ersten Lauf, der schließlich über eine Distanz von 23 Runden gefahren wurde fuhr Zanella auf den 14. Rang vor.
Im zweiten Heat mit 31 Umläufen – Startplatz das Ergebnis von Rennen 1 - gelang es Zanella nochmals sechs Positionen gut zu machen, um auf den tollen achten Gesamtrang einzulaufen.
Seine an sich gelungenen Starts wurden im wilden Tohuwabohu der ersten Kurve relativiert, dafür wurden keine Front- und Heckflügel zerknittert. Im prächtigen F3-Pulverdampfgeschehen bekämpfte er sich u. a. mit Söhnen berühmter Rennsportväter: Johnny Cecotto jr. (Sohn von Motorradweltmeister Johnny Cecotto) und Adrien Tambay (Filius von Ferrari-F1-Sieger Patrick Tambay).
Zanella profitierte bei seinen Aufholjagden auch von etwas zu stürmisch agierenden Kollegen, die sich ins Aus verabschiedeten, indes schnupfte er mehrere Fahrer durch eiskalt lancierte Überholmanöver auf.
„Christopher ist ein äußerst clevereres und intelligentes Rennen gefahren,“ freute sich Motopark Akademy-Teamchef Timo Rumpfkeil über seinen Schützling und ergänzte das Lob: „Er bestätigt voll unser in ihn gesetztes Vertrauen, für einen Rockie fährt er wirklich eindrucksvoll.“
Geschätzt wird im Team sein Grundspeed, aber auch die Fähigkeit fundierte technische Aussagen für die Abstimmung des schwarzen 220-PS-Kohlefasereinbaums zu machen.
Aber auch Zanella gibt dicke Komplimente zurück: „Ich fühle mich im Motopark-Team sehr gut aufgehoben. Die Truppe ist zwar neu in der F3, aber schon als Sieger der nordeuropäischen Formel Renault haben sie gezeigt wie gut sie aufgestellt sind.“
Die F3-Euroseries steigert sich immer mehr zum großen Prestigeduell zwischen den Automobilherstellern von VW und Mercedes, die für den Erfolg auf Teams mit direkter Werksunterstützung setzen.
Die Leistung der „Motopark-Greenhorns“ muss deshalb umso höher eingestuft werden. Sieger der beiden Läufe: Julian Bianchi (ART) und Christian Vietoris (Mücke-Motorsport).
Kurios die Punktevergabe bei der F3-Euroseries.
Im ersten Lauf bekommen die ersten acht Fahrer à la der Formel 1 die Zähler gut geschrieben. Obwohl im zweiten Rennen eine längere Distanz gefahren wird, kommen nur die ersten sechs Piloten in die Punkteverteilung. So erhält Zanella für seinen achten Platz noch keinen prestigeträchtigen Punkt geschrieben.
Die Reglementsmacher bestimmen die Startaufstellung für Heat 2 aus dem umgekehrten Rennen 1-Zieleinlauf, was den Sieg weniger wertvoll macht. Zanella-Teamkollege Atte Mustonen (Finnland), der sich bei den Wintertests in mit F3-Englanderfahrung in Meisterschaftsmit-favoritenrolle gebracht hatte, verpasste durch Pech durchaus mögliche Podiumsplatzierungen.
Nächster Einsatz für Zanella ist am 13./14. Juni das Masters-Rennen im niederländischen Zandvoorth. Beim Rennen durch die Nordseedünen gibt es keine Euroseriepunkte. Indes britische und japanische Teams treffen dort auf die Euroteams, was der Veranstaltung traditionell den Charakter einer inoffiziellen Weltmeisterschaft gibt.


