„Lehrjahre sind keine Herrenjahre“: Mit Rang 13 und einem Ausfall gestalteten sich die F3-Euroseries-Rennen in Oschersleben für Christopher Zanella wenig erfolgreich. In der weltweit stärksten Formel-Nachwuchsserie hängen die Trauben im Debutjahr sehr hoch.

 

 

Mit seinem schwarzen Motopark-Dallara-Mercedes war Christopher Zanella in Heat 1 auf den soliden 13. Platz gefahren. Im zweiten Lauf stolperte der 19jährige Blondschopf nach dem Startrundentohuwabohu gleich zu Beginn von Umlauf 2 in der Startkurve über einen querstehenden Konkurrenten und knickte sich ein Vorderrad ab: Das vorzeitige Aus. „Das Wochenende analysieren, die Erfahrungen mitnehmen und dann ganz schnell nach vorne schauen“, zeigte Zanella nach der ersten Enttäuschung viel Charakter. Fast noch mehr enttäuscht als der Polytechnikauszubildende war sein Motopark Academy-Team, das in Oschersleben an der Strecke stationiert ist und beim „Heim-Grand Prix“ sich natürlich mehr ausgerechnet hatte. Der Begriff Heimspiel relativiert sich: Das Reglement erlaubt keine eigenen separaten Testfahrten vor der Haustüre. Der Finne Atte Mustonen, von Motopark, für die Saison als routinierter und schneller „Leaddriver“ neben Rookie Zanella verpflichtet, wurde jetzt für Oschersleben durch Renger van der Zande ersetzt. Im bisherigen Saisonverlauf war Zanella von den Zeiten her gegenüber Mustonen unerwartet ebenbürtig und auch schon schneller gewesen. Der 24jährige Niederländer van der Zande, im Vorjahr als Vierter in der F3-Euroseries klassiert, ist aktuell in der britischen F3-Meisterschaft unterwegs. Routinier van der Zande, so auch die Überlegung von Teamchef Timo Rumpfkeil, sollte „Greenhorn“ Zanella, beim Austüfteln der optimalen Fahrzeugabstimmung behilflich sein. Im Qualifying fuhr dann im 25 Wagen starken Feld van der Zande auf Platz 8, Zanella auf Rang 16. Dem amtierenden Schweizer Rennwagenmeister fehlten auf dem 3,696 Kilometer langen Flachkurs auf den Trainingsschnellsten Jules Bianchi 1,2 Sekunden.   Die Hoffnung das Ergebnis vom Samstagrennen – gleichbedeutend für den Startplatz am Sonntag – in Lauf zwei in ein feines Top Ten Resultat umzuwandeln, lösten sich in Nichts auf. Ausgerechnet Marco Wittmann im von der Schweizer F3-Rennlegende Jo Zeller eingesetzten Mücke-Dallara, drehte sich in der Linkskurve nach der Startgeraden quer, wobei in der hektischen „Pulverdampf“-Situation Zanella den Konkurrenten leicht torpedierte und sich die linke Vorderradaufhängung verbog. Jules Bianchi (ART) und Christian Vietoris (Mücke) gewannen jeweils die Meisterschaftsläufe.  „Natürlich war ich erst einmal enttäuscht“, gestand Zanella nach dem Rennen. „Nach dem siebten Qualifying -Platz von Zandvoort war der kontinuierlich gute Saisonfortschritt erstmals in einem Ergebnis aufgezeigt worden. Daran will man logischerweise anknüpfen. “Oschersleben, unweit von Magdeburg gelegen, war zudem erstmals Terrain für einen Renneinsatz Zanellas gewesen. In einem Feld, dass im Qualifying vom ersten bis zum letzten Starter gerade durch zwei Sekunden getrennt sind, entscheiden „Kleinigkeiten“ über „top oder flop“ in der Startaufstellung. Zanella weiss: „Die Startposition ist sehr wichtig. Mit dem Qualifying sind die Rennen eigentlich schon vorentschieden. Nach den Starts hat sich das Feld nach ein, zwei Runden eigentlich schon einsortiert. Überholen ist in der F3 wirklich schwierig.“ Die Ingenieure zermartern sich die Köpfe ob desoptimalen Fahrzeug-Setups. Indes im kleinen Zeitfenster des optimalen Reifengrips darf in der „Rush Hour“ auf den Chaosrunden kein Konkurrent die Zeitenjagd ein bremsen.    „Mein Motopark-Team ist wie ich absoluter Neueinsteiger in der F3, es wäre daher völlig vermessen im ersten Jahr ganz vordere Platzierungen zu erwarten“, zeigt sich Zanella realistisch. „In der Euroserie sind vor ein paar Jahren noch Christian Vettel, Lewis Hamilton und Nico Rosberg gefahren. Sie ist „das“ Sprungbrett in die F1. Es herrscht hier ein äusserst starker Wettbewerb, nicht zuletzt weil werksseitig Mercedes und VW als Motorenlieferanten mit wirklich erfahrenen Teams um prestigeträchtige Meisterehren fahren. Meine Mannschaft macht so gesehen einen wirklich exzellenten Job“, lobt der Mann vom Rheinfall, der  schon auf die nächsten Rennen richtig brennt. Nächster Doppelstart sind am übernächsten Wochenende die Meisterschaftsläufe am Nürburgring – eine Strecke die Zanella aus der Formel Renault kennt.