Nürburgring 15. und 16. August 2009
Christopher Zanella durch Fehlentscheid der Rennleitung am Nürburgring um Top Ten Ergebnis gebracht. Schwarze Flagge für Motopark Dallara-Piloten irrtümlich verhängt. Kleine Genugtuung mit Ausrufezeichen: Im freien Training auf Platz vier.
Fehlentscheidungen durch Schiedsrichter im Fußball sind an der Tagesordnung, indes im Motorsport bisher eigentlich unbekannt. Jetzt machte F3-Rookie Christopher Zanella am Nürburgring die unangenehme Erfahrung, dass auch im Rennsport die Funktionäre falsche Urteile verhängen können. Im F3-Sonntagsrennen der Euroseries war Zanella im Mittelfeld der 25 Starter unterwegs, als er kurz nach einer gleich nach dem Start bestimmten Safety-car-phase von der Rennleitung zu einer Durchfahrtsstrafe („Drive through“) befohlen wurde. Angezeigt wurde die Strafe von der Rennleitung nahe der Ziellinie per Flagge und einer Tafel. Drei Mal fuhr Zanella am Signal vorbei und missachtete scheinbar die Aufforderung innert drei Runden die Strafe anzutreten. Deshalb verhängte die Rennleitung die Schwarze Flagge, was den Rennausschluss bedeutete. In ähnlicher Situation steckte 1994 Michael Schumacher, der auf seinem Weg zu seinem ersten WM-Titel in Silverstone die Aufforderung missachtete und deshalb für zwei Rennen gesperrt wurde. Jetzt erst realisierte Zanella die ultimative Aufforderung, fuhr noch drei weitere Runden und bog dann in die Boxen ein. Wegen des defekten Boxenfunks hatte Zanella keine Rücksprache oder Anweisungen von seinem Team bekommen und zeigte sich über die Strafe total verwundert. „Ich habe mich in keiner strafwürdigen Aktion gesehen. Die „Drive Through“-Aufforderung habe ich wegen der engen Positionskämpfe auf der Start-Zielgeraden gar nicht wahrgenommen“, kommentierte Zanella die Situation.Bei seinem letzten Nürburgringrennen war Zanella beim Formel-Renault-Europacuplauf in die Boxenmauer bugsiert worden, was die Aussage zur Konzentration verifizierte. Riesige Aufregung natürlich bei seiner Motorpark Academy-Mannschaft. Teamchef Timo Rumpfkeil war unverzüglich zur Rennleitung geeilt, wo auf Videoaufnahmen sich gleich herausstellte, dass Zanella in keinerlei wilden oder gar strafwütigen Aktionen zu Rennbeginn verwickelt gewesen war. Erst nach dem Rennen mochte die Rennleitung zugeben, dass sie einem Irrtum aufgesessen war. Ein Funktionär an der Strecke hatte den schwarzen Monoposto von Zanella mit der Startnummer 20 mit dem gleichfarbenen Rennwagen mit der Nummer 28 verwechselt und so fälschlicherweise dessen strafwürdige Situation in den Tower der Rennleitung vermittelt. Dort wurde die Situation offenbar nicht überprüft, was wenig später zum „Grand Casino“ führte. Nach dem Rennen kam der Rennleiter in die Motopark-Box und entschuldigte sich für das ausgesprochene Fehlurteil. Das Missachten der „Drive Through“ wurde wegen des Irrtums nicht geahndet. Zanella nahm das „Sorry“ mit Charakter an. Der amtierende Schweizer Rennwagenmeister hatte seine Emotionen ob des zerstörten Rennens im Griff, das einen feinen Achtungserfolg hätte bringen können. Zanella lag auf Kurs in die Top Ten, da er den später zehntplatzierten Stefano Coletti bereits hinter sich hatte lassen können. „Mir tut es vor allem auch für das Team sehr leid“, kommentierte Zanella die Fakten. „Die Motopark-Jungs leisten im Debutjahr einfach eine tolle Arbeit und hätten endlich ein Erfolgserlebnis verdient.“Im ersten Freien Training war Zanella die viertschnellste Zeit im 25 Wagenfeld gefahren und hat wiederum eine wichtige Visitenkarte für Entscheidungsträger abgeliefert. In der Qualifikation fuhr der Blondschopf auf Rang 13 und stand in der Startaufstellung dann aber nur auf Platz 18. Nach Oschersleben hatte er eine „Fünf-Start-Plätze-Rückstufung“ erhalten, die für das Motopark-Team nicht nachvollziehbar war. Ein Konkurrent hatte sich im Startrundentohuwabohu gedreht und Zanella hat - ohne Ausweichchance - das querstehende Auto leicht torpediert. „Beim Nürnberger Norisringrennen sind im Feld einige „Wilde Kerle“ wie Kamikaze unterwegs gewesen. Für die überharten Crashaktionen sind diese nicht bestraft worden. Daraus folgend wird jetzt vielleicht von den Funktionären zu schnell und hart bestraft“, analysierte und mutmassten Motopark-Mechaniker. Die kamen regelrecht über Zanellas Leistung ins Schwärmen, als der Schaffhauser nach Startrundenpech (u.a. Abbremsen wegen eines sich drehenden Konkurrenten) sich zunächst auf Rang 23 wiederfand. Mit einigen wirklich sehenswerten Überholmanöver robbte sich der 19jährige auf Platz 14 vor und war für viele Beobachter im Fahrerlager deshalb: „Man of the Race“.


