Erste F3-Euroseries Punkte für Christopher Zanella im Motopark-Dallara-Mercedes mit Platz 5 in Brands Hatch. Auf der schwierigen Berg- und Talbahn im zweitem Rennen mit dem siebten Rang gleich noch mal in den „Top Ten“. Schnellste Zeiten im Streckenabschnitt 1 mit der berühmt berüchtigten Paddockbend beweisen Extraklasse.

 

 

In der Geschichte des schweizer Automobilrennsports stellt die britische Kultrennstrecke von Brands Hatch einen ganz besonderen Platz dar: Auf dem südlich von London gelegenen Kurs gewannen die Rennfahrerlegenden Jo Siffert und Clay Regazzoni jeweils F1-Rennen. Marc Surer fuhr dort wohl seinen besten Grand Prix und Neel Jani sicherte sich hier den A1GP-Weltmeister-Titel. Jetzt steht Brands Hatch für einen weiteren „Eilgenossen“ als Meilenstein im Karriereverlauf. Erstmals holte sich Christopher Zanella Punkte in der F3-Euroseries, die für den weiteren Rennfahrerwerdegang von grosser Bedeutung sein können. Mit den vier Zählern für Platz fünf aus dem Samstagrennen beweist der 19jährige Rockie nach viel Pech im bisherigen Saisonverlauf sein Riesentalent endlich auch mit einem gewerteten Spitzenresultat.   Gefahren wurden in Brands Hatch die Läufe 13 und 14 der F3-Euroseries nicht mit der 4,207 Kilometer-Konfiguration der ehemaligen Grand Prix-Rennstrecke, sondern auf der 1,93 Kilometer langen Indy-Kurs-Variante. Die fahrerisch schwierige Auf- und Ab Strecke erinnert an die berühmt berüchtigte Nürburgring-Nordschleife, für die Zuschauer offenbart sich der Schauplatz als ein Amphitheater, wobei die Rennwagen wie rasende Roulettekugeln wahrgenommen werden, wenn sie den weiten Start- und Zielbogen von Clearways hinauf zur Paddockbend schiessen. Im aktuell 24 Wagen starken Feld liess sich Zanella im freien Training die zwölftschnellste Zeit notieren. Pilot und die Motopark-Einsatzmannschaft um Teamchef Timo Rumpfkeil zeigte sich mit dem Resultat schon zufrieden, da Zanella die schwierige Achterbahn erst zum allerersten Mal mit dem schwarzen 230-PS-Dallara unter die Räder genommen hatte. Für das für die Startaufstellung entscheidende Qualifying wurde das Feld in zwei Gruppen aufgeteilt. In der zweiten Abteilungunterwegs, sorgte Zanella für ein grosses „Oha“ in der der Boxengasse. Der amtierende Schweizer Rennwagenmeister fuhr die vierschnellste Qualifyingzeit seiner Gruppe. Weil mit seiner Zeit schneller als der Viertbeste aus Gruppe 1, bedeutete dies für Zanella Startplatz zunächst Rang sieben für das erste Rennen. Die Rennkommissäre bestimmten Zanella dann sogar für den fünften Startplatz, wg. Missachtung gelber Flaggen der Konkurrenz. Die Startgerade von Brands Hatch ist eigentlich keine. Als Vollgasbiegung führt sie bergan und gleicht dabeiin der Breite einer schiefen Ebene. Fast ein Kunststück für die jungen Piloten im Pedalerie-Stepptanz „Kupplung/Gas“ dann bei der Startfreigabe gut wegzukommen. Zanella gelang ein ordentlicher Start von der inneren Seite weg und er lag auf Platz fünf. Wie an einer Perlenschnur aufgezogen umrundete das Feld den Circuit im 42-Sekunden-Takt. In einigen Umläufen fuhr Zanella im Rennverlauf die jeweils schnellste Rennrunde. Der aktuelle F3-Euroseries-Tabellenführer Julies Bianchi lancierte nach einem Trainingsunfall eine feine Aufholjagd, geriet dabei aber in Runde neun mit Tiago Geronimi aneinander. Der spektakuläre Unfall führte zum Abbruch des Rennens. Nach einer knapp fünfstündigen Unterbrechung wurde das Rennen nach dem DTM-Qualifying hinter dem Safetycar für dann insgesamt 39 Runden neu gestartet. Zanella konnte im weiteren Rennverlauf seinen fünften Platz verteidigen. Mit gerade fünf Sekunden Vorsprung auf den Neuhausener gab es durch Mika Mäki (Signature-Dallara-VW und Valtterie Bottas (ART-Dallara-Mercedes) einen finnischen Doppelsieg.  Für das Sonntagrennen wurden die ersten Acht von Heat 1 in umgekehrter Reihenfolge für den zweiten Lauf in der Startaufstellung platziert. Zanella nahm somit das Rennen aus der zweiten Startreihe heraus auf. Beim Start lies es Zanella einen Tick zu vorsichtig angehen und fuhr nach der ersten Biegung gerade auf Platz sieben. Über die gesamte Renndistanz lieferte er sich mit Vortagessieger Mäki ein atemberaubendes Duell. Vor Rennhalbzeit gelang es ihm nach der Paddockbendmit einem beherzten Manöver die Senke hinunter an Mäki vorbeizuziehen. Der Finne konnte allerdings nach einem kleinen Verbremser Zanellas vor der folgenden Biegung von Druids wieder an ihm vorbeiziehen. Im Rennverlauf über insgesamt 52 Runden kam es wiederum zu zwei Safetycarphasen. Zanella sah schliesslich als Siebter „unter dem Mäki-Heckflügel“ das Ziel. Der neuseeländische F1-Red Bull-Testpilot Brendon Hartley (Carlin-Dallara-VW) triumphierte. “An meinen Starts muss ich noch üben”, gestand Zanella nach seinem bisher besten F3-Wochenendeehrlich ein. Aber indes wurde dieses noch vorhandene Manko durch eine interessante Tatsache überstrahlt.Auswertungen der Zeitnahme beweisen, dass der Blondschopf in Qualifikation, sowie in Rennen 1 und 2im ersten Streckenabschnitt die schnellsten Zeiten im Feld gefahren war. Im Anstieg zum Paddockbend muss dabei blind in eine nach hinten überhängende Rechtskurve angebremst und eingelenkt werden, die dann durch eine Vollgassenke wieder den Berg hinauf führt. Viel Fahrkönnen und Courage sind gefragt um hier schnell zu sein.  Berühmt ist die Kurve auch geworden, als beim 1976er Grand Prix Ferrari-Pilot Clay Regazzoni dort die Strasse ausging und dabei seinen Teamkollegen Niki Lauda „abräumte“. Viele Insider, darunter F3-Doyen Peter Mücke bei der TV-Liveübertragung, sehen diesen Streckenabschnitt als die schwierigste Herausforderung im gesamten Saisonkalender an. Viel Lob gab es für den Youngster. Darunter auch ehrliche Gratulation und Wertschätzung durch die helvetische F3-Legende Jo Zeller (13facher CH-Meister), der für Mücke-Motorsport den Wagen von Marco Wittmann einsetzt. Als Teamchef hatte der Öttwiler in 2006 in Brands Hatch den Euroseries-Lauf mit Fahrer Peter Elkmann gewinnen können. Natürlich zeigte sich die Motopark Academy-Mannschaft nach den beiden Rennen über Zanellas Leistung total begeistert. Nach vielem Pech im bisherigen Saisonverlauf machte sich mit den „Top Ten“-Resultaten bei den F3-Neueinsteigern grosse Genugtuung und  „Lust auf mehr“ breit.