„Silly Saison“ vorbei: Nun bestreitet Christopher Zanella sein zweites Formel 3-Jahr. Das Riesentalent vom Rheinfall startet neu in der Italienischen Meisterschaft mit einem Mygale-Fiat des nahe Novara beheimateten JD-Teams. Auftakt des acht Doppelveranstaltungen zählenden Championats ist am 24./25. April 2010 das Rennen in Misano. Ausgelobt ist für die drei besten Fahrer am Jahresende ein Test in einem aktuellen F1-Ferrari.

Nach einer tollen Saison in der F3-Euroseries wechselt Christopher Zanella in die massiv aufgewertete Italienische Meisterschaft. Mit feinen Vorderplatzierungen auf den Fahrerstrecken in Brands Hatch und Dijon, sowie dem sensationellen zweiten Platz im Regenchaos von Hockenheim gilt der Neuhauser als „die“ Entdeckung der vergangenen Saison. Bei vielen renommierten Teams war und ist der Schweizer Rennwagenmeister der Saison 2008 auf dem Radar. Nach intensiven Verhandlungen für ein Cockpit in der neuen GP3-Serie (im Rahmen der F1-Weltmeisterschaft) sowie für ein F3-Engagement in einem Werksteam der Euroseries entschloss sich Zanella und sein Management in die Italienische Meisterschaft zu wechseln. Diese zeigt sich für dieses Jahr völlig neu aufgestellt, denn der italienische Motorsportverband, mit viel Unterstützung durch den Fiat-Konzern, möchte seine F3 wieder als ein Sprungbrett in die F1 entwickeln. Die Italiener haben festgestellt, dass ob nachhaltig guter Nachwuchsarbeit in Deutschland fünf Piloten im Grand Prix-Sport aktuell dabei sind, Azurris indes nur zwei. Neben der F3 wurde als Unterbau zusätzlich die Formula-Abarth installiert. In einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld startet die Euroseries aktuell nur noch mit 14 Autos, die vor allem durch die Lancierung der GP3-Series leidet. In der Euroseries fahren um die Meisterschaft Mercedes- und VW unterstützte Werksteams gegeneinander, was ein Engagement besonders teuer macht. Das Konzept der Italienischen Meisterschaft hingegen sieht Fiat-Einheitsmotoren von Tuner FPT vor, was die Kosten erheblich einschränkt. In den vergangenen Wochen unternahm Zanella für das JD-Team mit einem Mygale ausgedehnte Testfahrten in Vallelunga (nahe Rom), Varano (Parma) sowie Misano (Rimini). Das Team von Alfredo Cappeletti mit Heimatbasis in Vepolate nahe Novara engagierte sich in den vergangenen Jahren erfolgreich in der Formula World Masters Series. So gelang in 2008 mit dem Neuseeländer Chris von der Drift der Triumph der Meisterschaft, im Vorjahr waren Sergey Afanasiev und Josef Kral als Frontrunner unterwegs. Bei den Tests entwickelte sich schnell eine gegenseitige Wertschätzung zwischen Zanella und seinem neuen Team. Beim gemeinsamen Abschlusstest aller Teilnehmer in Misano fuhr Zanella auf den feinen zweiten Platz unter 28 Teilnehmern.  Spätestens zu diesem Zeitpunkt wussten die JD-Verantwortlichen: „Wir haben da einen Rohdiamanten in unserem Auto.“ Indes Zanella relativiert die Zeiten: „Es waren knifflige Bedingungen, aktuell ist der Mygale unter trockenen Bedingungen eine Sekunde pro Runde langsamer.“ Der Mygale ist eine französische Konstruktion. Der seit bald zwanzig Jahren in der F3 dominierende Hersteller Dallara hat einen Erfahrungsvorsprung, den die Franzosen – Erbauer der Formel Lista und BMW-Monoposti - nur ganz schwer egalisieren können. Zanella probierte deshalb auch alternativ in Misano einen Dallara der Favoritenteams BMV-Target aus. Weil vorderhand nur die Position als dritter Fahrer möglich gewesen wäre, unterzeichnete Zanella jetzt den Vertrag mit der JD-Squadra. „Wir fungieren als ein Semi-Werksteam für Mygale. Techniker aus Magny-Cours werden uns bei den Rennen betreuen“, erläutert der 20jährige Polytechniker auszubildende und gibt sich bedingt optimistisch: „Vielleicht gelingt es uns das Auto so weiter zu entwickeln, dass wir nahe an die Spitze herankommen.“ Insider rechnen das JD-Team aktuell nur als vierte oder fünfte Kraft in der Meisterschaft. „Nicht immer wird`s regnen“, lacht Zanella, der versuchen will zumindest feine Top-Ten-Platzierungen herauszufahren. Podiumsplätze scheinen momentan regulär in weiter Ferne zu liegen. Obwohl Zanella familiär auch italienische Wurzeln besitzt, kommuniziert er mit den Ingenieuren über die Fahrzeugabstimmung in englischer Sprache. Den Unterschied zwischen seinem letztjährigen Motopark-Dallara-Mercedes und dem Mygale definiert er weniger von der Chassisseite her sondern von Triebwerk und Reifen. „Der Fiat-FTP ist um 20 kg schwerer als der Mercedes-Motor, das Mehrgewicht ist schon eine Umstellung. Im unteren Drehzahlbereich hat der neue Motor viel weniger Drehmoment, bei etwa gleicher 210-PS-Leistung zeigt er sich dafür in den oberen Drehzahlen im 6700 U/min deutlich kräftiger.“ Obwohl er mit Khumo die gleiche Reifenmarke wie im letzten Jahr in der Euroseries verwendet, gibt es Unterschiede. „Die vorderen Reifen sind weicher, was ein stärkeres Untersteuern hervorruft“, analysiert der Zürich-Hallenkart-Raikkönen-Bezwinger und zieht einen weiteren Vergleich: „Der Dallara baut im Vergleich an der Vorderachse mehr Grip auf, der Mygale zeigt sich im Heck viel nervöser.“ Die Strecken der Meisterschaft kennt Zanella zum grössten Teil nur von den Tests her. Zwei Strecken sind indes auch unter Rennbedingungen bekannt: Ein Rennen findet diesseits der Alpen in Hockenheim statt, ein weiteres im Autodromo di Monza wo er sich im 2008 die Schweizer Formel Renault-Meisterschaft sicherte.  In Misano nahe dem „Teutonengrill“ bei Rimini findet jetzt der Saisonauftakt mit dem ersten wirklichen Kräftemessen statt. Mehr als 30 Piloten aus elf Nationen werden am Start sein. Dank der Aufwertung findet die Meisterschaft größte internationale Aufmerksamkeit. Auch Ferrari-Chef Luca di Montezemolo dürfte die Ergebnislisten aufmerksam analysieren, denn die drei Erstplatzierten dürfen am Jahresende seine aktuellen F1-Boliden ausgiebig testen. Ob dann erstmals seit Clay Regazzoni ein weiterer Schweizer in einem Grand Prix-Boliden aus Maranello ans Steuer darf?